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IT-Sicherheitslage in Deutschland: Unternehmen sollten ihre Schutzmaßnahmen jetzt überprüfen

Eine dezidierte Überprüfung der vorhandenen Schutzmaßnahmen und eine realistische Einschätzung der Handlungsfähigkeit im Fall eines Angriffs, hält Prof. Norbert Pohlmann, Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit – if(is) und Vorstand IT-Sicherheit im eco Verband, für eine notwendige Überprüfung von Unternehmen in der derzeitigen Lage.

Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des eco – Verbands der Internetwirtschaft e. V. seit Kriegsbeginn in der Ukraine noch nicht stärker zum Ziel von Cyberattacken geworden. „Diese Lageeinschätzung könnte sich sehr kurzfristig ändern und gezielte sowie massive Cyberangriffe könnten jederzeit die Cybersicherheit stark gefährden“, sagt Professor Norbert Pohlmann, Leiter des if(is). „Zu den jetzt notwendigen Schritten gehört, die Lage im Blick zu behalten, die Angriffsfläche zu reduzieren sowie die Notfallpläne dahingehend zu überprüfen, ob im Angriffsfall die eigene Handlungsfähigkeit gewährleistet ist.“

Der Verband der Internetwirtschaft empfiehlt daher einige, konkrete Maßnahmen, um den Schutzstatus von Unternehmen einschätzen und bei Bedarf anheben zu können.

Basisschutz überprüfen – Angriffsflächen reduzieren

Unternehmen sollten die aktuelle Lage zum Anlass nehmen, ihre bestehenden grundlegenden Maßnahmen zum Schutz vor Cyberangriffen zu überprüfen. Wie bei einem digitalen Frühjahrsputz sollten alle IT-Systeme mit Updates vorsorgt und damit mögliche Schwachstellen, über die Angriffe erfolgen könnten, geschlossen werden. Dies gilt sowohl für die zentral administrierten Server als auch für alle Endgeräte. Auch die Rechtevergabe und externe Zugänge zum Unternehmen sollten dabei kritisch auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden. Häufig werden Accounts ausgeschiedener Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter oder Zugänge, die zum Testen eingerichtet wurden, nicht vollumfänglich entfernt und bieten dann eine willkommene Hintertür für Angriffe. Aber auch die Kommunikationsmöglichkeiten mithilfe von Firewall-Systemen zu reduzieren hilft, die potenziellen Angriffsflächen zu verringern.

Ausfälle mindern

Im Falle großflächiger Cyberangriffe kann es auch zu kurzfristigen Ausfällen der Infrastruktur kommen. Das Internet ist grundsätzlich redundant ausgelegt. Im Unternehmen gilt es zu überprüfen, ob es Bereiche mit erhöhten Anforderungen an die Ausfallsicherheit gibt. Notstromaggregate für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung sollten regelmäßig auf ihre Funktionsfähigkeit getestet werden. Dazu gehört auch ein angepasster Vorrat an benötigten Betriebsmitteln, etwa ausreichend Diesel. Auch im Bereich der Internetanbindung kann es kurzfristig zu Störungen kommen. Bei erhöhten Anforderungen sollte über eine zweite redundante Anbindung, gegebenenfalls über eine andere Technologie, nachgedacht werden.

Awareness für die besondere Situation schaffen

Im Falle verstärkter Cyberangriffe ist zu erwarten, dass Cyberkriminelle mittels Phishing-Mails versuchen, Zugang zu Unternehmenssystemen zu erlangen. Die Mitarbeitenden sollten für solche Angriffe sensibilisiert werden, um entsprechende Mails erkennen zu können. Die Beschäftigten hinsichtlich solcher Angriffe zu sensibilisieren und die Awareness hochzuhalten ist besonders wichtig, wenn viele Kolleginnen oder Kollegen im Home-Office vom üblichen Flurfunk abgeschnitten sind.

Im Ernstfall benötigen Unternehmen qualifiziertes Personal vor Ort. Dazu ist es notwendig, sowohl eine Ersatzplanung für den Fall eines unerwarteten Ausfalls eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin zu erstellen als auch die Erreichbarkeit Ihrer IT-Spezialisten sicherzustellen. Die Verantwortlichkeiten Ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der IT sollten klar definiert und bekannt sein. Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten werden auch in einem Notfallplan schriftlich festgehalten, so dass es im Fall einer IT-Attacke nicht zu organisatorischen Missverständnissen kommt. Denken Sie daran, dass ein externer Dienstleister im Falle eines Zwischenfalls nicht immer zeitnah reagieren kann. Bereiten Sie Ihre Mitarbeitenden darauf vor, auch ohne externe Unterstützung handlungsfähig zu sein.

Die gesamte Pressemitteilung gibt es unter: www.eco.de/presse/ukraine-krise-so-bereiten-sich-unternehmen-auf-moegliche-cyberattacken-vor/

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